Abschied von Polizeikommandant Thomas Zuber

Rede anlässlich der Kommandoübergabe vom 12. Mai 2026

Fast 20 Jahre lang leitete Thomas Zuber die Polizei Kanton Solothurn. Er führte das Korps in Zeiten des Wandels mit grossem Fachwissen, mit politischem Gespür und vor allem auch mit Menschlichkeit und Humor. Meine Abschiedsrede als Polizeidirektorin anlässlich der Kommandoübergabe an Fabienne Holland am 12. Mai 2016.

Vor 50 Jahren haben sich unsere Wege das erste Mal in Olten gekreuzt. Du, Thomas, als strebsamer, unauffälliger Kantischüler des Mathematik-Profils und ich als eine sehr unauffällige, scheue Schülerin im gleichen Profil, aber eine Klasse unter dir. Wir haben selbstverständlich die männliche Wesen der Klasse über uns im Auge gehabt, darum erinnere ich mich noch an dich und deine Kollegen. Wenn ich uns heute anschaue, scheint mir, dass wir beide an Auftrittssicherheit gewonnen haben. Wir sind zu öffentlichen Personen geworden... Das hätte damals wohl niemand von uns erwartet...

25 Jahre später sind wir uns wieder begegnet: ich als Kantonsrätin und Präsidentin der Finanzkommission, du als Kommandant der Kantonspolizei. Ich mag mich noch gut an die lebhafte, aber sachliche Budgetdiskussion über die Erhöhungsanträge fürs Polizeikorps erinnern, die wir als Finanzkommission kritisch hinterfragt haben.  Du hast damals mit deiner grossen, sachlich begründeten Überzeugungskraft zumindest erreicht, dass wir dann doch zusammen mit der Justizkommission einen Mittelweg gefunden haben. Im Nachhinein muss ich zugeben, dass wir bereits damals die beantragten Ressourcen vollumfänglich hätten sprechen müssen, wenn nicht sogar noch mehr als beantragt. Wesentliche Korpserhöhungen wären schon vor 20 Jahren nötig gewesen.

Vertrauen, Verlässlichkeit und politisches Gespür
Auch ab 2017, seit ich als Regierungsrätin verwaltungshierarchisch in vorgesetzter Position bin, sind wir uns immer auf Augenhöhe begegnet. Es ist rasch klar geworden, dass du ein gut organisiertes, verlässliches und bis in alle Positionen der Sicherheit von der Bevölkerung unseres Kantons verpflichtetes Korps kommandierst. Wir benötigten meistens nicht viele Erklärungen, um unsere Positionen für den politischen Prozess zu definieren. Gegenseitiges Vertrauen, Verlässlichkeit und politisches Gespür haben unsere Zusammenarbeit in den letzten neun Jahren geprägt. Ob strategische, finanzielle, juristische oder gar personelle Fragestellungen: Wir haben uns verstanden und gemeinsam aktuelle und künftige Vorgehensweisen – immer im politischen Kontext - besprochen. Deine Fachkompetenz hat mich immer überzeugt und gleichzeitig dein gutes Gespür, die Sache der Polizei bis an die Grenzen des Politischen zu vertreten, aber nie darüber. Auch wenn man heute noch nachlesen kann «Solothurner Kantonspolizeikommandant setzt sich in die Nesseln». Das war 2016, also vor meiner Zeit und ein halbes Jahr nachdem die Stadtpolizei Olten aufgelöst worden ist und die Kantonspolizei die Arbeit in Olten übernommen hat. Du hast im internen Mitarbeitermagazin ausgeführt, man habe durch diese Erfahrung jetzt auch gute Argumente respektive Fakten, dass auch eine Einheitspolizei funktioniere. Dies könnte auch Solothurn und Grenchen überzeugen, die Stadtpolizeien in die Kantonspolizei zu integrieren.

Das hat öffentlich Ärger mit den beiden Stadtpräsidenten von Solothurn und Grenchen gegeben, welche diese Aussage als politisches Statement für eine Einheitspolizei auch in ihren Städten gewertet haben. In der Folge, das heisst seit ich im Amt bin, sind wir mit den beiden Städten fast dauerhaft in Diskussion gewesen:  sachlich, politisch, finanziell und strategisch, aber immer lösungsorientiert und ich habe stets auf deinen grossen Erfahrungsschatz für die Verhandlungen zurückgreifen können, ohne dass du dich politisch eingemischt hättest. Heute gibt es bekanntlich nur noch eine Stadtpolizei.

Geschätzter Thomas, wir sind in den letzten Jahren gemeinsam unterwegs gewesen, mit dem Ziel, die Sicherheit in unserem Kanton zu gewährleisten. Auch gegenüber der Politik hast du immer betont, dass der Primat der Politik gelte.
Als dann aber die Kantonsrätinnen und Kantonsräte der Justizkommission «Primaten» der Politik verstanden haben, hast du nur noch vom Vorrang der Politik gesprochen. In der Tat, das hast du auch erfahren müssen: manchmal hilft es, die Sache auch mehrmals und mit einfachen Worten zu erklären. Auf jeden Fall hast du in der Justizkommission in all den Jahren durch deine transparente Information immer ein offenes Ohr und viel Akzeptanz für deine Anliegen angetroffen.

Ein wandelndes Lexikon
Dein trockener feiner Humor hast du wegen möglicher Missverständnisse nicht im Politikbetrieb, sondern vor allem im Kommando-Stab wirken lassen oder in den Departementsleitungssitzungen.
Überhaupt, deine fachliche und politische Erfahrung hat uns in der Departementsleitung sehr viel bedeutet und du hast die wichtige Verbindung der Polizei zum Departement und zu den Amtsleitenden immer sehr ernst genommen und auch da sehr viel Engagement gezeigt. Alle haben es geschätzt, dass du mit deiner Erfahrung und deinem politischem Instinkt viele wertvolle Inputs geben hast. Du warst sozusagen ein wandelndes Lexikon, hast du doch in den letzten 32 Jahren Sicherheitspolitik im Kanton Solothurn verfolgt und offenbar diese Fakten nicht nur in deinem Gedächtnis abrufbar abgelegt. Denn du hast deine legendäre und sehr geschätzte Dossierfestigkeit immer wieder mit dem Vorlegen von Dokumenten aus deinen, mehreren Laufmetern umfassenden Ordnern und Papierstapel unter Beweis gestellt. Wer mit dir in einer Arbeitsgruppe war, hat sich warm anziehen müssen, um deinen faktenbasierten Argumente etwas entgegenhalten zu können. Du hast mir gesagt, es sei dir erst jetzt beim Aufräumen deiner Dokumente aufgefallen, dass du bei vielen Themen die Fäden selbst in der Hand gehabt hattest. Die Feststellung ist für uns nicht erstaunlich, sondern beschreibt genau, wie wir dich in verschiedenen Rolle erlebt haben.  
Wo du mir aber plastisch vor Augen geführt hast, wie du versuchst deine «Papier»-Dokumentationen auszusortieren und der designierten Kommandantin zu übergeben, wurde mir klar, die grösste Herausforderung für die designierte, digitalafine Komandantin wird sein, Gesuchtes in deine analog geführt Wissens-Welt zu treffsicher zu finden.

2008 das Kommando übernommen
Rund 20 Jahre hast du als Kommandant gewirkt. Die ersten zwei Jahre davon als Kommandant ad Interim. Nach einem ordentlichen Auswahlverfahren 2008 hast du dich durchgesetzt und im Oktober 2008 das Kommando übernommen.  
Die zentrale Aufgabe der Kantonspolizei, die Gewährleistung der öffentliche Sicherheit, hat für dich dort begonnen, wo es um die Bedürfnisse von unserer Bevölkerung in den Gemeinden und der Städten (dort in Zusammenarbeit mit den anfangs noch drei Stadtpolizeien) ging. Schon vor 18 Jahren hast du öffentlich verlauten lassen, dass die Ressourcen nicht Schritt halten mit der damals schon hohen Kriminalitätsbelastung des zentral gelegenen Kantons Solothurn. Dabei ist es dir neben der präventiven und gerichts- und kriminalpolizeilichen Tätigkeiten immer auch um die Situation der Korpsmitglieder gegangen. Die hohe Belastung, die sich im Laufe der Zeit immer mehr verstärkt und schliesslich durch die Einführung der der eidg. Strafprozessordnung noch akzentuiert hat, war dir bewusst. Immer und immer wieder hast du in der Vergangenheit gewarnt, dass die Polizeiarbeit immer anspruchsvoller werde, mehr Ressourcen benötige, aber die Patroullienpräsenz nicht darunter leiden dürfe. Es brauche auch Ressourcen, um frühzeitig kriminelle Strukturen zu bekämpfen. Du hast das immer wieder in den letzten Jahren wiederholt und auch wenn es sehr lange gedauert hat, glaube ich, dass wir jetzt am Punkt sind, wo die Politik es verstanden hat.  
Ein besonderes Anliegen war dir stets die Rekrutierung und die Ausbildung des Nachwuchs. Du hast hohe Ansprüche an die auszubildenden Polizistinnen und Polizisten gestellt, ihnen aber immer die volle Unterstützung zukommen lassen, indem du dich auch stark für eine zukunftsgerichtete, praxisbezogene Ausbildung an der IPH -jahrelang auch in der Funktion als Schulratspräsident - eingesetzt hattest. Und dies trotz deinem bereits grossen zeitlichen Engagement für das Korps. Ich habe jede Brevetierung von Polizistinnen und Polizisten, die du vorgenommen hast, als sehr emotional und wertschätzend von deiner Seite erlebt. Es war stets spürbar: Das Weiterkommen dieser jungen Leute war für dich eine Herzensangelegenheit.  

Meilensteine
Es gäbe viele Meilensteine zu erwähnen, mit welchen du die Kapo Solothurn zukunftsgerichtet aufgestellt hast: Die Einführung und Stärkung der Jugendpolizei (die dein Vorgänger initialisiert hatte), die Installierung des schweizweit ersten umfassenden Bedrohungsmanagements (auch wenn die Zürcher das nicht wahrhaben wollen), die Stärkung und den Ausbau des schweizweit zitierten Solothurner Modells im Bereich häusliche Gewalt sowie die Modernisierung des Polizeigesetzes.

Wachsende Ansprüche angesichts des gesellschaftlichen und technologischen Wandels
Deine Amtszeit war durch grösser und vielfältig werdende Ansprüche und Erwartungen an die polizeiliche Arbeit als Folge des gesellschaftlichen wie technologischen Wandels geprägt. Es ist keine einfache Aufgabe, den Ansprüchen der Mitglieder des Korps gerecht zu werden, die angesichts der vielfältigen Herausforderungen, der grossen Arbeitslast und der Erwartungshaltung der Bevölkerung jeden Tag ihr Bestes geben.
Dir ist es aber immer wieder gelungen, mit grossem Geschick, Umsicht und Menschlichkeit, das Korps durch die anspruchsvollen Zeiten zu führen und weiterzuentwickeln. Dass dir jedes einzelne Mitglied des Korps wichtig war, du die meisten mit Namen ansprechen konntest, hat viel zum Zusammenhalt und guten Geist im Solothurner Korps beigetragen. Jede und jeder spürte, dass du die direkte Begegnung und das Gespräch mit den Korpsmitgliedern geschätzt hast. Es ist sehr geschätzt worden, dass du wahrnehmbar warst, Interesse an der Arbeit jedes Einzelnen hattest und den Mitarbeitenden dein Vertrauen schenktest, so dass sie auch Ideen einbringen konnten und Teil des Teams waren. Du hast dich als Coach verstanden, der eine Mannschaft führt und trainiert, die zwar sparsam mit dem zur Verfügung stehenden Geld umgehen muss, aber trotzdem das Beste aus der Mann- resp. Frauschaft herausholt und damit ein erfolgreiches, motiviertes und erfolgsorientiertes Korps geformt. Ein Korps, das in der Bevölkerung, bei den Partnern und der Politik Vertrauen geniesst und dessen professionelle Arbeit geschätzt wird.
Ich stelle zusammenfassend fest, wenn ich das so sagen darf: Das Solothurner Polizeikorps hat Ähnlichkeiten mit dem FC Thun. Wir setzen auf Kontinuität statt Kaderwechsel! In der 146-jährigen Geschichte der Kantonspolizei Solothurn geht mit dir, Thomas, erst der 7. Kommandant in Pension. Wir setzen auf Teamgeist und Intensität, trotz kleinem Budget. Will heissen, Thomas, du hast in den letzten 18 Jahren mit Herzblut und Weitsicht und mit viel persönlichem Einsatz das Korps als Team mitgenommen und zu Höchstleistungen geführt.

Lieber Thomas, ich danke dir im Namen des Regierungsrates und sicher auch stellvertretend für die politischen Vertreterinnen und Vertreter auf allen Staatsebenen sowie der Bevölkerung unseres Kantons für deinen grossen, unermüdlichen Einsatz für die Kantonspolizei Solothurn und damit auch für die Sicherheit der Bevölkerung des Kantons. Wenn ich in den letzten Tagen mich umgehört habe, auch auf Gemeindeebene, hat es überall wertschätzend geheissen: «Mit dem Thomas haben wir sehr gut zusammengearbeitet, er hat sehr viel geleistet und er ist immer da gewesen, wenn wir ein Anliegen gehabt haben.» Wir alle danken dir für die wertvolle, ausgezeichnete Zusammenarbeit in all den Jahren, für das gegenseitige Vertrauen und den stets inspirierenden Austausch mit dir.

Lieber Thomas, du hast dich mit Haut und Haar deiner Aufgabe als Kommandant verschrieben, auch als Teil unseres Departements des Innern und warst ein verbindender Teil zwischen den Departementen, was keine Selbstverständlichkeit ist. Du kaum an einem Termin gefehlt, auch wenn du dich gesundheitlich hättest schonen sollen. Das hat viel Energie, viel Zeit und viel Verständnis von deinem persönlichen Umfeld verlangt. Ich möchte daher an dieser Stelle auch dir, liebe Carmen, als Ehefrau herzlich danken, dass du Thomas in seinem Engagement immer unterstützt hast. Auch wenn es dir nicht gelungen ist, ihn von völlig unverantwortlichem Verhalten abzuhalten, nämlich dann, wenn aus gesundheitlicher Sicht etwas Ruhe angesagt gewesen wäre.
Ich wünsche dir, geschätzter Thomas, für die Zukunft das Beste, gute Gesundheit und ruhigere Zeiten und mehr Vernunft. Denn ich habe erfahren, dass du noch hoch hinaus und mehrere Viertausender besteigen willst. Da kann ich nur hoffen, dass dich Carmen auf Reisen in die Südsee mitnimmt und dich von solch gefährlichem Vorhaben bewahrt. Herzlichen Dank, lieber Thomas, für alles, was du für diesen Kanton und vieles mehr geleistet hast.