Film ist Service Public

Grusswort als Frau Landammann am Abschluss-Abend der 61. Solothurner Filmtage, 28. Januar 2026

Als Solothurner Regierungsrätin und diesjährige Frau Landammann ist es mir eine grosse Freude, dass unser Kanton und besonders unsere Kantonshauptstadt bereits zum 61. Mal Austragungsort der wohl wichtigsten Veranstaltung für den Schweizer Film sein durfte. Gerne überbringe ich die Grüsse des Regierungsrates des Kantons Solothurn.

Während der Filmtage - das kann ich Ihnen als zuständige Polizeidirektorin versichern - ist Solothurn die sicherste Stadt der Schweiz: Warum?  
En tant que directrice de la police, je peux vous assurer, que pendant le festival, Soleure est la ville la plus sûre de la Suisse. Pourquoi cela?  Lorsque, j'attends tard le soir à la gare de Soleure le train pour Olten, où j'habite, je ne me retrouve pas seule, comme d’habitude, dans une gare sombre et peu accueillante, mais je suis entourée de visiteurs joyeux et satisfaits du festival. C'est ce qu'on appelle la sécurité subjective. Vous voyez, Soleure a absolument besoin du festival !

Einen Satz hört man oft, wenn über das Kino gesprochen wird: Film – das ist die Flucht vor der Wirklichkeit. Ein Mittel, die Augen von dem wegzunehmen, was uns tagtäglich beschäftigt. Der Satz findet sich auch im diesjährigen Programm der Filmtage wieder. Er ist sicher nicht falsch – aber bei Weitem nicht die ganze Wahrheit. Ja – Film ist ein Weg, um unsere Realität für einen kurzen Moment auszublenden. Um das Weltgeschehen für eine Prise Magie auszuwechseln. “Cinema – it's where the magic happens”, drückte es Filmstar Nicole Kidman unlängst in einem Werbespot für eine amerikanische Kinokette aus. Gleichzeitig ist der Film als Kunstform ein Spiegel von dem, was in unserer Welt passiert. Hinter uns liegen Tage, die zeigen: Der Schweizer Film hat nicht nur Perspektive, er gibt sie uns auch. Film löst in uns Emotionen aus, kann uns inspirieren, verzaubern, verstören oder gar manipulieren. Er kann uns lehren, wie wir mit anderen Menschen umgehen oder mitfühlen sollen. Etwas, das wir besonders in der momentanen Weltlage und besonders auch wegen den aktuellen Geschehnissen in der Schweiz zu Jahresbeginn besonders brauchen.

Inmitten erstarkter autoritärer Kräfte, die die Kunst- und Informationsfreiheit unter Druck setzen, und einer unerklärlichen Tragödie, die unser Land erschüttert, ist es nur passend, dass die aktuelle Ausgabe der Solothurner Filmtage auf eine zentrale Eigenschaft, die unser Zusammenleben ausmacht, hinweist: Empathie. Mitgefühl ermöglicht uns, hinzusehen und hinzuhören, wenn es nötig ist. Genauso, wie es auch der Schweizer Film schafft.
In diesem Jahr sass ich mit 300 Menschen im Kinosaal und wir hatten am Ende alle Tränen in den Augen: Imagine Peace. Ja, wir können nicht einfach zuschauen, sondern wir sind aufgefordert Verantwortung zu übernehmen.

Richtig: Film – das ist immer auch Politik. Er bewegt sich mit dem Weltgeschehen mit oder kann es sogar formen.
Das zeigen auch die vergangenen Preisträgerinnen und Preisträger des Prix de Soleure: Geschichten über feministische Kämpfe, Abtreibung, Asylbewerberinnen und Asylbewerber und Unterdrückte.
Der Film kann dabei neue Perspektiven aufzeigen, Sichtweisen zerschlagen, Kritik auslösen. Hierzulande kann diese Kraft schnell vergessen gehen und das Kino als reine Unterhaltung gesehen werden. Natürlich, Film ist Unterhaltung. Und das kann vieles bedeuten: überzeichnet, geschmacklos, verblödend, sinnlos. Aber wie wir auch dank diesem Festival erfahren: Selbst Kitsch kann subversiv sein.

In einer Zeit, in der Milliardäre und ihre Algorithmen genau diese Kanten wegschleifen wollen, gehört es sich, zu ihnen Sorge zu tragen. Denn nicht nur die veränderten Ansprüche und das damit zusammenhängende Kinosterben setzt der Branche zu. Nicht nur die künstliche Intelligenz setzt dem Vertrauen in die Kunst zu. Zu alledem kommt dazu, dass mittlerweile selbst in Ländern wie der Schweiz die Politik darüber streitet, wer uns denn zukünftig in welcher Form noch unterhalten dürfe.

Dazu sage ich ganz klar: Film ist Service Public. Ein Dienst an der Gesellschaft, der sich nicht an privatwirtschaftlichen oder politischen Interessen ausrichten soll. Eine gesunde Demokratie braucht auch eine gesunde Schweizer Filmbranche, eine starke Förderung und genügend Geld, um diesen Auftrag zu erfüllen. Une démocratie saine a également besoin d'une industrie cinématographique suisse saine, de la promotion forte et de fonds suffisants pour accomplir cette mission.

Ich hoffe sehr, dass sowohl die Solothurner Filmtage als auch der Schweizer Film in Zukunft – damit meine ich beispielsweise auch nach der Abstimmung vom 8. März – zu einer lebhaften Kulturbranche in der Schweiz beitragen dürfen. J'espère vivement que les Journées cinématographiques de Soleure et le cinéma suisse pourront à l'avenir contribuer à la promotion du secteur culturel en Suisse – aussi et surtout après le vote du 8 mars
Beigetragen, dass auch dieses Jahr das Festival zu einem einzigartigen Erlebnis geworden ist, haben die Filmschaffenden, die Organisatorinnen und die Jury-Mitglieder, aber auch die Sponsoren und vor allem Sie, geschätztes Publikum. Herzlichen Dank.
Nous remercions tout particulièrement Mme Monica Rosenberg et M. Niccolo Castelli pour leur engagement et leur travail, qui font chaque année de ce festival un événement unique.  
Bis zum nächsten Mal in Solothurn. A bientôt à Soleure.